Zugegeben, wir waren wild entschlossen heute zu gewinnen. Die Mannschaft, die Trainer, die
Fans. Und sind mit Hurra ins offene Messer gelaufen. Wurden vom Karlsruher Sturmlauf eiskalt
erwischt. Nach 8 Minuten fiel das längst überfällige 0:1, 10 Minuten später das 0:2, nach
einer guten halben Stunde das 0:3. Irgendwie retteten wir dieses schmeichelhafte Ergebnis
in die Pause. In der 2. Halbzeit schaltete der KSC dann ein, zwei Gänge zurück, was gegen
unsere harmlose Alemannia völlig genügte. Im Grunde hätte man sich diese Hälfte schenken
können. Auch im Block war es sehr still geworden. So erlebten wir diese 45 Minuten fast
lethargisch in ernüchterter Starre. Hoch anzurechnen ist unseren Jungs, dass sie nach dem Schlusspfiff
an den Zaun des Gästeblocks kamen und die Fans abklatschten. Applaus gab es keinen. Pfiffe
und Buh-Rufe auch nicht. Keine Emotion, keine Aggression. Einfach nichts.
Wie konnten wir nur so naiv sein? Wie leicht es doch war unsere Abwehrreihe zu Statisten zu
degradieren, unserem Mittelfeld völlig den Schneid abzukaufen, den Sturm zu entschärfen.
Wir hatten mit Rückschlägen gerechnet. Dass wir dermaßen zerrupft würden, hat uns dann aber
doch getroffen. Unsere Mannschaft war vom Auftritt des Gegners völlig überrascht. Reagierte
konsterniert und hilflos. Vielleicht hat uns heute ein Leitwolf gefehlt. Ein Denker und
Lenker, der die Ruhe behält und Impulse geben kann.
Jetzt geht es ans Aufarbeiten. Ans Lernen. Bis zum nächsten Spiel sind 14 Tage Zeit. Wie
heißt es so schön? Aller Anfang ist schwer! Und die neue Alemannia steht ja erst am Anfang.
Der TSV. Der TSV. Der TSV ist wieder da! Als dieser Unioner in der 83. aus höchster Not ins
eigene Tor klärte und damit das 2:1 für die Alemannia erzielte, war unsere Begeisterung
perfekt. Das absolute Hochgefühl hielt etwa Minute. Dann wurden unsere Jungs Opfer ihres
jugendlichen Übermuts. Der AUF GEDEIH UND VERDERB offensiven Spielweise. Ja, das ist der
Haken am neuen System. Du musst die Buden auch machen, die Chancen nutzen. Denn die Gefahr
sich einen einzufangen ist groß. Das wussten wir vorher. Deshalb hatte uns das 1:0 der
Berliner nach einer halben Stunde nicht groß geschockt. Auch unsere Mannschaft blieb
unbeeindruckt. Das sehenswerte Ausgleichstor durch Höger - auch heute wieder bester
Spieler auf dem Platz - fiel nach einer guten Flanke von Achenbach noch vor der Pause. Mit
vollem Risiko hatte er den Ball halb hoch angenommen und in die Maschen gedroschen.
Das Fazit des Pokalspiels in Essen hat sich heute bestätigt. Es macht riesigen Spaß der
Alemannia zuzusehen. Die Mannschaft steht sehr hoch. Spielt konsequentes Pressing. Kämpft
leidenschaftlich. Läuft und investiert sehr viel. In der zweiten Hälfte ließen naturgemäß
die Kräfte etwas nach. Wurden die Zuspiele ungenauer. Konnten nicht mehr ganz so viele
Chancen erarbeitet werden. Aber man hielt das Tempo hoch. Blieb dran. Versuchte alles.
Einziges Manko blieb heute die Torausbeute. Aber wir haben ja noch den Benny, der
hoffentlich bald wieder fit ist.
Es wird Rückschläge geben. Klar. Aber wir werden auch tolle Siege feiern können. Der Umbruch
ist eingeleitet. Die neue Alemannia macht Lust auf mehr. Viel mehr.
Eine kurze Randnotiz zum Schluss. Die neue Party-Tormusik blieb uns erspart. Wir haben sie
schlicht nicht gehört. Was geht schon über den ohrenbetäubenden Jubel der Fans? Und auch das
Einlauflied. Ein Trommler als Taktgeber täte es wohl auch. Den Text kann man eh nicht
verstehen. Unsere Meinung!
